Sommer 2019, als die Welt in Mitteleuropa noch eine andere war:
Konstanzer fuhren noch wie selbstverständlich über die Grenze in die Schweizer Nachbarorte zum Tanken. Die Staatsgrenze zwischen beiden Ländern war zwar vorhanden und durch Ausfuhrschein-Abstempelungen sowie gelegentliche Stichproben-Kontrollen seitens des Zolls und der Grenzwache auch hin und wieder als solche erkennbar. Die Zollübergänge und Grenzzaun-Reste für sich muteten allerdings eher wie Relikte einer längst vergangenen Zeit an. Von diesen abgesehen, war die Grenze aus dem Alltag weitgehend verschwunden. Konstanz und Kreuzlingen waren über die Jahrzehnte längst zu Kreuztanz, einer gemeinsamen grenzüberschreitenden Agglomeration, zusammengewachsen. Statt Grenzzäunen gab es Kunstgrenzen und Parks. Spaziergänge quer über die Grenzen waren so normal wie sich auf einen Kaffee in der Altstadt zu treffen. Wer nicht gerade für ein "Grenz-Selfie" mit einem Bein in jedem Land oder zu Schnäppchenjagd und Einkaufstourismus die Grenze übertrat, machte sich über diese keine größeren Gedanken. 
Ein Blick auf Karten und in Melderegister verrät einen Tankstellensaldo von +11 auf Schweizer Seite  bei einem Gesamtstand von 17:5. Das bei einem Bewohnersaldo von -60.000! Auf Schweizer Seite wohnen gerade einmal gut 30% der Einwohner im Vergleich zur deutschen Seite (Konstanz: 86.332; Einwohner Kreuzlingen + Tägerwilen: 26.783). 
Frühjahr 2020. Corona. Sämtliche dieser Gewohnheiten kommen zu einem jähen Ende. Grenzübergänge wurden verbarrikadiert, die Kunstgrenze wich einem doppelten Grenzzaun. Der gesamte Grenzverlauf glich einer intensivst bewachten Hochsicherheitszone mit eng getakteten Patrouillen zu Lande, zu Wasser und in der Luft.